Der Papalagi macht viele Dinge, die wir nicht machen können,
die wir nie begreifen werden, die für unseren Kopf nichts als
schwere Steine. Dinge, nach denen wir wenig Begehren haben,
die den Schwachen unter uns wohl in Erstarren bringen können
und in falsche Demut. Darum laßt uns ohne Scheu die wunderbaren
Künste des Papalagi betrachten.
Der Papalagi hat die Kraft,
alles zu seinem Speere und zu seiner Keule zu machen. Er nimmt
sich den wilden Blitz, das heiße Feuer und das schnelle Wasser
und macht sie seinem Willen gefügig. Er sperrt sie ein und gibt
ihnen seine Befehle. Sie gehorchen. Sie sind seine stärksten
Krieger. Er weiß das große Geheimnis, den wilden Blitz noch
schneller und leuchtender zu machen, das heiße Feuer noch heißer,
das schnelle Wasser noch schneller.
Der Papalagi scheint wirklich der Himmelsdurchbrecher (Papalagi
heißt: der Weiße, der Fremde, wörtlich übersetzt aber der Himmelsdurchbrecher.
Der erste weiße Missionar, der in Samoa landete, kam in einem
Segelboot. Die Eingeborenen hielten das weiße Segelboot aus
der Ferne für ein Loch im Himmel, durch das der Weiße zu ihnen
kam. Er durchbrach den Himmel. zu sein, der Bote Gottes; denn
er beherrscht den Himmel und die Erde nach seiner Freude. Er
ist Fisch und Vogel und Wurm und Roß zugleich. Er bohrt sich
in die Erde. Durch die Erde. Unter den breitesten Süßwasserflüssen
hindurch. Er schlüpft durch Berge und Felsen. Er bindet sich
eiserne Räder unter die Füße und jagt schneller als das schnellste
Roß. Er steigt in die Lüfte. Er kann fliegen. Ich sah ihn am
Himmel gleiten wie die Seemöwe.
Er hat ein großes Canoe, damit
auf dem Wasser zu fahren, er hat ein Canoe, um unter dem Meere
zu fahren. Er fährt mit einem Canoe von Wolke zu Wolke. Liebe
Brüder, ich lege Zeugnis der Wahrheit ab mit meinen Worten,
und ihr müßt eurem Knechte glauben, auch wenn eure Sinne Zweifel
geben an dem, was ich verkünde. Denn groß und sehr bewundernswert
sind die Dinge des Papalagi, und ich fürchte, es möchte viele
unter uns geben, die da schwach werden vor solcher Kraft.
Und
wo sollte ich anfangen, wollte ich euch alles berichten, was
mein Auge mit Staunen sah. Ihr alle kennt das große Canoe, das
der Weiße den Dampfer nennt. Ist er nicht wie ein großer, ein
gewaltiger Fisch? - Wie ist es nur möglich, daß er schneller
von Insel zu Insel fährt, als die stärksten Jünglinge unter
uns ein Canoe zu rudern vermögen? Saht ihr die große Schwanzflosse
am Ende im Fortbewegen?
Sie schlägt und bewegt sich genau wie
bei den Fischen in der Lagune. Diese große Flosse treibt das
große Canoe weiter. Daß dies möglich ist, ist das große Geheimnis
des Papalagi. Dieses Geheimnis ruht im Leibe des großen Fisches.
Dort ist die Maschine, die der großen Flosse die große Kraft
gibt. Die Maschine, sie ist es, welche die große Kraft in sich
birgt. Dies zu sagen, was eine Maschine ist, dazu reicht die
Kraft meines Kopfes nicht. Ich weiß nur dies: sie frißt schwarze
Steine und gibt dafür ihre Kraft.
Eine Kraft, die nie ein Mensch
haben kann. Die Maschine ist die stärkste Keule des Papalagi.
Gib ihm den stärksten Ifibaum des Urwaldes - die Hand der Maschine
zerschlägt den Stamm, wie eine Mutter ihren Kindern die Tarofrucht
bricht. Die Maschine ist der große Zauberer Europas. Ihre Hand
ist stark und nie müde. Wenn sie will, schneidet sie hundert,
ja tausend Tanoen an einem Tage. Ich sah sie Lendentücher weben,
so fein, so zierlich, wie von den zierlichsten Händen einer
Jungfrau gewoben. Sie flocht vom Morgen bis zur Nacht. Sie spie
Lendentücher, wohl einen großen Hügel voll.
Schmachvoll und
ärmlich ist unsere Kraft gegen die gewaltige Kraft der Maschine.
Der Papalagi ist ein Zauberer. Singe ein Lied - er fängt deinen
Gesang auf und gibt ihn dir wieder, zu jeder Stunde, da du ihn
haben willst. Er hält dir eine Glasplatte entgegen und fängt
dein Spiegelbild darauf. Und tausendmal hebt er dein Bild davon
ab, so viel du nur davon haben magst. Doch größere Wunder sah
ich als diese.
Ich sagte euch, daß der Papalagi die Blitze des
Himmels fängt. Dem ist wahrhaftig so. Er fängt sie ein, die
Maschine muß sie fressen, zerfressen, und zur Nacht speit sie
sie wieder aus in tausend Sternchen, Glühwürmchen und kleinen
Monden. Es wäre ihm ein leichtes, unsere Inseln zur Nacht mit
Licht zu überschütten, daß sie hell und leuchtend wären wie
am Tage. Oft sendet er die Blitze wieder aus zu seinem Nutzen,
er befiehlt ihnen den Weg und gibt ihnen Kunde mit für seine
fernen Brüder. Und die Blitze gehorchen und nehmen die Kunde
mit sich.
Der Papalagi hat alle seine Glieder stärker gemacht.
Seine Hände reichen über Meere und bis zu den Sternen, und seine
Füße überholen Wind und Wellen. Sein Ohr hört jedes Flüstern
in Savaii, und seine Stimme hat Flügel wie ein Vogel. Sein Auge
ist sehend zur Nacht. Er sieht durch dich selber hindurch, als
sei dein Fleisch klar wie Wasser, und er sieht jeden Unrat auf
dem Grund dieses Wassers.
Dies alles, wovon ich Zeuge war und
was ich euch verkünde, ist nur ein kleiner Teil von dem, was
mein Auge mit Bewunderung sehen durfte. Und glaubt mir, der
Ehrgeiz des Weißen ist groß, immer neue und stärkere Wunder
zu vollbringen, und Tausende sitzen eifrig in den Nächten und
sinnen, wie sie Gott einen Sieg abringen können. Denn das ist
es: der Papalagi strebt zu Gott. Er möchte den großen Geist
zerschlagen und seine Kräfte selber an sich nehmen. Aber noch
ist Gott größer und mächtiger als der größte Papalagi und seine
Maschine, und noch immer bestimmt er, wer von uns und wann wir
sterben sollen.
Noch dient die Sonne, das Wasser und Feuer in erster Linie ihm.
Und noch hat kein Weißen je den Aufgang des Mondes und die Richtung
der Winde nach seinem Willen bestimmt. Solange dies ist, bedeuten
jene Wunder nur wenig. Und schwach ist der unter uns, liebe
Brüder, der diesen Wundern des Papalagi unterliegt, der den
Weißen anbetet um seiner Werke willen und sich selbst als arm
und unwürdig erklärt, weil seine Hand und sein Geist nicht ein
Gleiches vermögen. Denn so sehr alle Wunder und Fertigkeiten
des Papalagi unsere Augen staunend machen können im klarsten
Sonnenlichte betrachtet, bedeuten sie wenig mehr als das Schnitzen
einer Keule und das Flechten einer Matte, und alles Tun gleicht
nur dem Spielen eines Kindes im Sande.
Denn es gibt nichts,
das der Weiße gemacht hat und nur im entferntesten den Wundern
des großen Geistes gleichkäme. Herrlich und gewaltig und geschmückt
sind die Hütten der hohen Alii, die man Paläste nennt, und schöner
noch die hohen Hütten, die Gott zu Ehren errichtet wurden, die
oft höher sind als der Gipfel des Tofua (ein hoher Berg auf
Upolu).
Trotzdem - grob und roh und ohne das warme Blut des
Lebens ist dies alles gegen einen jeden Hibiskusstrauch mit
seinen feuerbrandigen Blüten, gegen jeden Wipfel einer Palme
oder den Farben- und formentrunkenen Wald der Korallen. Nie
noch spann der Papalagi ein Lendentuch so fein, wie Gott in
jeder Spinne spinnt, und nicht eine Maschine ist so fein und
kunstvoll wie die kleine Sandameise, die in unserer Hütte lebt.
Der Weiße fliegt zu den Wolken wie ein Vogel, sagte ich euch.
Aber die große Seemöwe fliegt doch höher und schneller als der
Mensch und bei allen Stürmen, und die Flügel kommen aus ihrem
Leibe, während die Flügel des Papalagi nur eine Täuschung sind
und leicht brechen und abfallen können. So haben alle seine
Wunder doch eine heimliche unvollkommene Stelle, und es gibt
keine Maschine, die nicht ihren Wächter braucht und ihren Antreiber.
Und jede birgt in sich einen heimlichen Fluch. Den wenn auch
die starke Hand der Maschine alles macht, sie frißt bei ihrer
Arbeit auch die Liebe mit, die ein jedes Ding in sich birgt,
das unsere eigenen Hände bereiteten. Was gälte mir ein Canoe
und eine Keule von der Maschine geschnitzt, einem blutlosen,
kalten Wesen, das nicht von seiner Arbeit sprechen kann, nicht
lächeln, wenn sie vollendet, und sie nicht der Mutter und dem
Vater bringen kann, damit auch sie sich freuen.
Wie soll ich
meine Tanoa lieb haben, wie ich sie lieb habe, wenn eine Maschine
sie mir jeden Augenblick wieder machen könnte ohne mein Zutun?
- Dies ist der große Fluch der Maschine, daß der Papalagi nichts
mehr lieb hat, weil sie ihm alles alsogleich wiedermachen kann.
Er muß sie von seinem eignen Herzen speisen, um ihre liebeleeren
Wunder zu empfangen. Der große Geist will selber die Kräfte
des Himmels und der Erde bestimmen und sie nach seinem Ermessen
verteilen.
Dies steht niemals den Menschen zu. Nicht ungestraft
versucht der Weiße, sich selber zum Fisch und Vogel, zum Roß
und Wurm zu machen. Und viel kleiner ist sein Gewinn, als er
sich selber zu gestehen wagt. Wenn ich durch ein Dorf reite,
komme ich wohl schnell von der Stelle, aber wenn ich wandere,
sehe ich mehr und die Freunde rufen mich in ihre Hütten. Schnell
an ein Ziel kommen ist selten ein rechter Gewinn. Der Papalagi
will immer schnell ans Ziel. Die meisten seiner Maschinen dienen
alleine dem Zwecke, schnell an ein Ziel zu kommen. Ist er am
Ziel, so ruft ihn ein neues.
So jagt der Papalagi durch sein
Leben ohne Ruhe, verlernt immer mehr das Gehen und Wandeln und
das fröhliche Sichbewegen auf das Ziel, das uns entgegenkommt,
das wir nicht suchen. Ich sage euch darum: die Maschine ist
ein schönes Spielzeug der weißen großen Kinder, und alle seine
Künste dürfen uns nicht schrecken. Noch hat der Papalagi keine
Maschine gebaut, die ihn vor dem Tode bewahrt. Er hat noch nichts
getan oder gemacht, was größer ist als das, was Gott zu jeder
Stunde tut und macht.
Alle Maschinen und anderen Künste und
Zaubereien haben noch keines Menschen Leben verlängert, haben
ihn auch nicht froher und glücklicher gemacht. Halten wir uns
darum an die wunderbaren Maschinen und hohen Künste Gottes,
und verachten wir, wenn der Weiße Gott spielt.